Interesse wecken und halten 

Wie emotional gestaltete Lernvideos ausdauerndes Lernen in der BNE fördern können

Von Tino Endres, Charlotte Vössing & Christian Hörsch

Wie emotional gestaltete Lernvideos ausdauerndes Lernen in der BNE fördern und die MINT-Bildung unterstützen können

Herausforderungen beim Lernen in BNE und MINT 

Lernen, insbesondere wenn komplexe Inhalte erarbeitet werden müssen, ist ein mental anspruchsvoller Prozess, der eine intensive und fokussierte Verarbeitung erfordert. Dieser Umstand gilt besonders im Kontext der Bildung für nachhaltige Entwicklung, die mit ihrem zusammenhängenden Wissen und der überfachlichen Vernetzung hohe Anforderungen an die Lernenden stellt. Beispielsweise müssen Lernende in der Klimabildung beachten, wie sich verschiedene Faktoren wie CO2-Emissionen, Wälder und Meere auf das globale Klima auswirken und dieses Wissen mit den geographischen und wirtschaftlichen Folgen für verschiedene Länder und Bevölkerungsgruppen in Verbindung bringen. Dazu müssen die Lernenden mentale Modelle aufbauen und weiterentwickeln – ein Vorgang, der erhebliche kognitive Ressourcen fordert. Die Verarbeitung relevanter Informationen und der Aufbau nachhaltigen Verständnisses ist dabei mit besonders hohen Anforderungen an die Aufmerksamkeit und der Lernausdauer der Lernenden verbunden, da das Verstehen komplexer Inhalte zumeist einen längeren Lernprozess erfordert (Endres et al., 2025).

Die Bedeutung von Interessens-entwicklung für BNE

Lehrkräfte stehen vor der Herausforderung, Lernende dazu zu motivieren, sich mit anspruchsvollen Inhalten auseinanderzusetzen. Eine zentrale Einflussgröße für solche Anstrengungen ist das Interesse am Thema. Dieses wirkt über einzelne Situationen hinaus – es muss sich jedoch zunächst entwickeln. Gerade in den Naturwissenschaften, in denen das Interesse oft nur schwach ausgeprägt ist, stellt dies eine besondere Schwierigkeit dar (von Aufschnaiter et al., 2025). Interesse ist keine feste Eigenschaft, die Lernende einfach mitbringen oder nicht. Vielmehr handelt es sich um eine veränderbare Größe, die sich in Auseinandersetzung mit Lerninhalten und -kontexten entwickeln kann. Der Schulunterricht und die Begegnung mit Lehrkräften sind zentrale Momente und Gelegenheiten für Lernende, ein Interesse zu entwickeln und zu vertiefen.  

In diesem Prozess erscheint die Gestaltung von Lernmaterialien bedeutsam zu sein. Eine ansprechende audiovisuelle Gestaltung in Verbindung mit einer narrativen Einbindung, ein sogenanntes Emotional Design, wird als förderlich für eine Interessensbildung beschrieben. Aktuelle Forschungsergebnisse (z.B. Endres et al., 2024) verdeutlichen, dass ansprechend gestaltete Lernvideos zum Beispiel zu Themen der BNE die Entwicklung des Interesses der Lernenden unterstützen können. Besonders effektiv wirkt diese Gestaltung in anspruchsvollen Lernsettings, wenn Lernende zum Beispiel sehr ausdauernd kognitiv arbeiten oder in ablenkenden Lernumgebungen ihre Aufmerksamkeitsprozesse selbst aufrechterhalten müssen. Wenn Lernmaterialien nach diesen Prinzipien gestaltet waren, konnten Lernende schon durch ein relativ kurzes Video im Klassenzimmer ein situatives Interesse entwickeln. Situativ interessiert fiel es Lernenden leichter, am Lerninhalt dranzubleiben und den Ablenkungen zu widerstehen, was letztendlich das Lernen verbesserte (Endres et al., 2020).

Das situative Interesse, welches durch ansprechend gestaltete Lernmaterialien ausgelöst werden kann, ist eine wichtige Basis für ausdauerndes Lernen und eine Voraussetzung für ein stabiles individuelles Interesse (Hidi & Renninger 2006). Dabei ist jedoch die audiovisuelle Aufmachung nur der Anfang. Ein wichtiger zusätzlicher Bestandteil ist, die ansprechende Gestaltung mit einem narrativen Rahmen zu verbinden. In diesen Narrativen wird durch zum Beispiel persönliche Geschichten, in denen ein Problem mit dem neuen Wissen gelöst wird, das Interesse der Lernenden um eine Wertkomponente erweitert. Die Narrative sollten den Wert und die Relevanz der behandelten Themen, etwa die Bedeutung von Optik in der Physik, für die Lernenden verdeutlichen und somit die persönliche Verbindung zum Lerngegenstand stärken.

BNE für das MINT-Interesse nutzen

Die komplexen und vernetzten Wissensbereiche der nachhaltigen Entwicklung stellen Lernende vor besondere Herausforderungen – bieten zugleich aber auch ein großes Potenzial für die Entwicklung von Interesse. Nachhaltigkeitsthemen sprechen viele Lernende emotional und gesellschaftlich stark an. Sie werden häufig als persönlich relevant erlebt und eignen sich deshalb besonders gut, um den Wert von Unterrichtsinhalten erfahrbar zu machen. BNE bietet hier die Chance, über Fächergrenzen hinweg Themen aufzugreifen, die für Lernende wertvoll sind, ihr Interesse wecken können und den Lernerfolg befördern. Im Kontext von BNE werden auch Inhalte interessant, die sonst von Lernenden oft gemieden und nicht durchdrungen werden. Solche Kontexte können helfen, situationales Interesse auszulösen und den Weg zu einer vertieften Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen Inhalten zu öffnen.

Was bedeutet dies konkret für den Unterricht?

Emotional ansprechend und narrativ gestaltete Lernvideos können das Interesse von Lernenden gezielt fördern – besonders in anspruchsvollen Lernsituationen wie dem MINT-Unterricht oder beim Lernen zu Themen der nachhaltigen Entwicklung. Für die Unterrichtspraxis lassen sich daraus konkrete Empfehlungen ableiten:

Ästhetik bewusst gestalten – weniger ist mehr

Lehrkräfte sollten auf eine klare und ansprechende Gestaltung von Lernmaterialien achten. Dabei können Lehrkräfte sowohl über die Auswahl der Materialien sowie die eigene Gestaltung die Interessensentwicklung unterstützen. Besonders geeignet scheinen sogenannte „Sketched Explanation Videos“ mit schlichten, gezeichneten Symbolen, warmer Farbgebung und gut verständlicher, freundlicher Sprache. Wichtig ist dabei, dass das Design nicht überladen ist – visuelle Reize sollen die Aufmerksamkeit lenken, nicht ablenken.

 

Die durchs Narrativ gezeigte Bedeutung des Inhaltes ist idealerweise an die Lernenden angepasst.

Narrative gezielt einsetzen – Lehrkräfte als Gestaltende

Der entscheidende Impuls für die Entwicklung von dauerhaftem Interesse liegt nicht nur im Visuellen, sondern in der Rahmung des Inhalts. Narrative – etwa die Einbettung in eine nachvollziehbare Anwendungssituation oder alltagsnahe Beispiele – verleihen dem Gelernten Bedeutung. Hier sind Lehrkräfte besonders gefragt: Sie kennen ihre Schülerinnen und Schüler gut und können gezielt passende narrative Kontexte auswählen, z. B. über YouTube-Videos oder durch die eigene Erstellung von Lernvideos mit Tools wie Simpleshow oder Powtoon. Die Unterstützung durch KI kann diesen Gestaltungsprozess zusätzlich vereinfachen.

Unbeliebte Themen durch BNE kontextualisieren

Gerade für MINT-Inhalte, die häufig als abstrakt oder wenig relevant wahrgenommen werden, kann die Einbettung in den Kontext von BNE einen echten Mehrwert bieten. Themen wie der Kohlenstoffkreislauf im Chemieunterricht gewinnen durch die Verbindung mit Klimafragen an Relevanz und ermöglichen so die Entwicklung anhaltenden Interesses bei den Lernenden. 

Fazit: Mit Interesse durch anspruchsvolle Lernprozesse

Eine gezielte Unterstützung der Interessensentwicklung durch ansprechend gestaltete und narrativ gerahmte Lernmaterialien kann helfen, Lernende nachhaltig für komplexe Themen zu begeistern. Das gilt besonders in Lernkontexten mit hohen Anforderungen – etwa im digitalen Unterricht oder bei der Bearbeitung systemischer Zusammenhänge in der BNE. Lehrkräfte spielen hierbei eine zentrale Rolle: Sie können geeignete Medien auswählen, selbst gestalten und so dazu beitragen, dass sich bei ihren Lernenden Interesse für diese Themen entwickelt. 

Tino Endres
Charlotte Vössing
& Christian Hörsch

 

Literatur

Aufschnaiter, C. v., Endres, T. & Petermann, V. (2025). Entwurf eines Interessenmodells für die Naturwissenschaften. In O. Krey, S. Bernholt, D. Laumann & T. Rabe (Hrsg.), Interesse revisited – Das Interessenskonstrukt in den Naturwissenschaften. Springer.

Endres, T., Weyreter, S., Renkl, A., & Eitel, A. (2020). When and why does emotional design foster learning? Evidence for situational interest as a mediator of increased persistence. Journal of Computer Assisted Learning, 36(4), 514-525. https://doi.org/10.1111/jcal.12418.

Endres, T., Eitel, A., Renninger, K. A., Vössing, C., & Renkl, A. (2024). Why narrative frames matter for instructional videos: A value-evoking narrative frame is essential to foster sustained learning with emotional design videos. Learning and Instruction, 94, 101962. https://doi.org/10.1016/j.learninstruc.2024.101962.

Endres, T., Vössing, C., Renninger, K. Ann, Eitel, A., & Renkl, A. (2025). Sustaining Focus When It’s Hardest: Emotional Design Strengthens Sustained Learning, Especially in Contexts with Attractive Alternatives. Computer & Education, Volume 233, 105313, https://doi.org/10.1016/j.compedu.2025.105313.

Hidi, S., & Renninger, K. A. (2006). The four-phase model of interest development. Educational Psychologist, 41(2), 111–127. https://doi.org/10.1207/s15326985ep4102_4https://doi.org/10.1207/s15326985ep4102_4.

Nachhaltigkeit mit Hand und Fuß

Von Mona Kraus

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) soll Lernende befähigen, “informierte Entscheidungen zu treffen und verantwortungsbewusst zum Schutz der Umwelt, für eine funktionier-ende Wirtschaft und eine gerechte Weltgesellschaft für aktuelle und zukünftige Generationen zu handeln“ (MKU, 2016).

Wie können Lehrkräfte gut Blabla Blubbb. Hier kommt ein kleiner Teaser zum Video hin.

als Hürde für eine zeitgemäße, politische Bildung für nachhaltige Entwicklung

Von Astrid Carrapatoso, Tom Meyer & Carola Garrecht

„Aludeckel gehören in den Gelben Sack und bitte mach das Licht aus, wenn du den Raum verlässt.“ Zu lernen, sich ressourcenschonend und „umweltbewusst“ zu verhalten, darum geht es doch bei Bildung für nachhaltige Entwicklung. Oder