GEB-40-klima

Kennen sie die Einstellungen zum Klimawandel ihrer Schüler*innen?

Von Magdalena Stadler

40 Fragen – 8 Minuten – 1 Ergebnis

Lehrkräfte sollen ihren Unterricht evidenzbasiert (also auf Grundlage empirischer Belege) bewerten und verbessern. Dies ist auch seit 2016 die Strategie der KMK. Für Fächer wie Mathematik, Deutsch, Fremdsprachen und die Naturwissenschaften gibt es hierfür bereits Instrumente. So bieten internationale Studien wie PISA und nationale Erhebungen wie die IQB-Bildungstrends wichtige Grundlagen für bildungspolitische Entscheidungen. Ergänzt werden diese durch die Vergleichsarbeiten VERA 3 und VERA 8, die wertvolle Einblicke in die Schüler*innenleistungen auf Schul-, Klassen- und Individualebene geben.

Im Bereich der schulischen Klimabildung, einer wichtigen fächerübergreifenden Aufgabe, mangelt es jedoch derzeit an spezifischen Daten und es fehlen Instrumente, mit denen Lehrkräfte ihren Unterricht zum Klimawandel effektiv bewerten und weiterentwickeln können.

Dabei stehen Lehrkräfte vor einer zusätzlichen Herausforderung: Eine reine Vermittlung von Wissen, z. B. über die physikalischen Grundlagen des Treibhauseffekts oder technische Lösungsansätze reichen in der Klimabildung nicht aus! Arbeiten der empirischen Bildungsforschung im Bereich Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) zeigen, dass insbesondere Einstellungen und Werthaltungen eine entscheidende Rolle spielen. Einen angemessenen Umgang mit dieser Anforderung zu finden, ist häufig gar nicht so leicht.

Klar ist, dass Unterricht zum Klimawandel nicht einfach darauf ausgerichtet sein darf, Schüler*innen „richtiges“ Verhalten zu vermitteln. Gleichzeitig darf der Beutelsbacher Konsens nicht fälschlicherweise als Neutralitätsgebot verstanden werden und dazu führen, politische Diskurse in der Schule gänzlich zu vermeiden und die verschiedenen Werthaltungen und Einstellungen, die Schüler*innen und Lehrpersonen mitbringen, auszuklammern (Maschong et al., 2024; Overwien, 2016).

Wenn wir die Einstellungen von Menschen verstehen wollen, fragen wir oft direkt nach ihrer Meinung. Doch viele Studien zeigen eine Lücke zwischen dem, was Menschen sagen, und dem, was sie tatsächlich tun. Diese Diskrepanz nennt man Attitude-Behavior-Gap (Einstellungs-Verhaltens-Lücke).

Das Campbell-Paradigma

Das Campbell-Paradigma bietet einen anderen Weg, Einstellungen zu erfassen: Es nutzt das tatsächliche Verhalten von Menschen, um Rückschlüsse auf ihre Einstellungen zu ziehen. Drei wichtige Annahmen sind dabei zentral:

1. Verhaltensschwierigkeit: Manche Verhaltensweisen sind schwieriger umzusetzen als andere. Es ist einfach der Aussage zuzustimmen: „Wir sollten unser Mobilitätsverhalten für den Klimaschutz ändern.“ Tatsächlich auf ein eigenes Auto zu verzichten und den Nahverkehr zu nutzen, ist jedoch herausfordernder.

2. Einstellung als Antrieb: Einstellungen können Menschen dazu motivieren, Hindernisse zu überwinden. Eine Person, der die Bekämpfung des Klimawandels wirklich wichtig ist, lässt sich vom schlechten Wetter nicht abhalten und steigt dennoch aufs Fahrrad, um zur Schule zu kommen.

3. Kontextübergreifende Einstellungen: Die Wichtigkeit, die eine Person dem Klimaschutz beimisst, zeigt sich nicht nur an der Wahl des Verkehrsmittels, sondern auch z. B. an der Ernährungsweise oder der gelegentlichen Teilnahme an Klimademonstrationen.

So würde eine Person mit einer stark ausgeprägten Einstellung zum Klimaschutz wahrscheinlich bei jedem Wetter mit dem Fahrrad zur Schule fahren, auf tierische Produkte verzichten und an Klimademonstrationen teilnehmen. Im Gegensatz dazu neigt eine Person mit einer weniger ausgeprägten Einstellung eher dazu, diese Verhaltensweisen nicht vollständig zu übernehmen. Sie könnte ebenfalls mit dem Fahrrad zur Schule fahren, möglicherweise weil sie in der Nähe wohnt, sieht jedoch den Verzicht auf tierische Produkte als zu große Einschränkung an und verbringt ihre Freizeit lieber anders als bei Klimademonstrationen.

GEB-40-klima ist ein Online-Tool, das vom Forschungszentrum ReCCE der Pädagogischen Hochschule Freiburg zur Verfügung gestellt wird. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung eines Fragebogens zur generellen Umwelteinstellung von Kaiser et al. (2009; GEB-40). GEB steht dabei für general ecological behavior. GEB-40-klima ermöglicht es Lehrkräften, eigenständig die Einstellungen zum Klimawandel in ihrer Klasse zu erfassen. Es lässt sich mit einer Bearbeitungsdauer von maximal 8 Minuten ohne großen Aufwand in den Unterricht integrieren.

Zielsetzung des GEB-40-klima

Mithilfe des GEB-40-klima kann die Ausprägung der Einstellungen zum Klimawandel bei Schüler*innen gemessen werden. Dabei werden sie nicht nach ihren eigenen Einschätzungen zum Thema direkt gefragt (z. B. für wie relevant sie das Thema halten), sondern es wird auf eine verhaltensbasierte Einstellungsmessung zurückgegriffen (im Sinne des Campbell-Paradigmas).

Klassenstufe: Empfohlen wird ein Einsatz ab Klassenstufe 7, möglich ist der Einsatz ab Klassenstufe 5.

Inhalt: Die Schüler*innen werden nach ihrem klimarelevanten Verhalten im Alltag gefragt. Die 40 erfragten Verhaltensweisen können in vier Verhaltensbereiche unterteilt werden:

1. Energiesparen und Ressourcen,

2. Mobilität,

3. Ernährung und Konsum und

4. gesellschaftliches und politisches Engagement.

Methode: Die Schüler*innen beantworten die Fragen anonym mithilfe von Smartphones, Tablets oder PCs.

Wie gelange ich zum Fragebogen?

Melden Sie sich mit Ihrer E-Mail-Adresse unter www.soscisurvey.de/eval-probiklima an. Sie erhalten anschließend automatisch eine E-Mail mit dem Link zum Fragebogen, den Sie dann an Ihre Klasse weiterleiten können. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht gespeichert.

Nach der Befragung ihrer Schüler*innen haben Lehrkräfte die Möglichkeit, online auf die automatisch erstellten deskriptiven Ergebnisse zuzugreifen.

Dieser Ergebnisbericht bietet einen durchschnittlichen Gesamtwert der Einstellungen zum Klimawandel in der Klasse und liefert detaillierte Einblicke in die vier spezifische Verhaltensbereiche. Dadurch erhalten Lehrkräfte eine Vorstellung davon, wie die Einstellungen ihrer Klasse im Verhältnis zu einer Vergleichsstichprobe ausgeprägt sind. Außerdem erhalten sie ein Diagramm zur Verteilung überdurchschnittlicher, durchschnittlicher und unterdurchschnittlicher Ausprägung von Klimaeinstellungen. Das Online-Tool GEB-40-klima bietet Lehrkräften die Möglichkeit, einen ersten Eindruck von den Einstellungen in ihrer Klasse zum Thema Klimawandel zu gewinnen, bevor sie mit einer entsprechenden Unterrichtseinheit beginnen. Darüber hinaus ermöglicht das Instrument eine Überprüfung, inwiefern sich die Einstellungen zum Thema im Laufe des Unterrichts verändern. Viele Lehrkräfte, die denselben Kurs mehrmals unterrichten, finden es nützlich, die Änderungen, die sie an ihrem Unterricht vorgenommen haben, zu dokumentieren und die Veränderungen in den Einstellungen der Schüler*innen im Laufe der Zeit zu vergleichen.

Lehrkräfte können die Ergebnisse nutzen, um ihren Unterricht zu reflektieren und gegebenenfalls anzupassen, auch im gemeinsamen Dialog.

Das Online-Tool dient außerdem als Grundlage für den kollegialen Austausch, etwa innerhalb einer Projektgruppe zur BNE oder Klimabildung, und bietet wertvolle Rückmeldungen für die gemeinsame Weiterentwicklung des Unterrichts. Auf Schulebene kann es auch für eine datenbasierte Bestandsaufnahme verwendet werden, um weitere Schritte zur Verankerung von Klimabildung zu planen oder die Erreichung gesetzter Ziele zu überprüfen.

 

 

Literatur

Cohen, Jacob (1988): Statistical power analysis for the behavioral sciences. 2. ed. Hillsdale, NJ u.a.: Erlbaum. Online
verfügbar unter https://ebookcentral.proquest.com/lib/kxp/detail.action?docID=1192162.
Kaiser, Florian G.; Oerke, Britta; Bogner, Franz X. (2007): Behavior-based environmental attitude: Development of an
instrument for adolescents. In: Journal of Environmental Psychology 27 (3), S. 242–251. DOI:
10.1016/j.jenvp.2007.06.004.
Scharenberg, Katja; Waltner, Eva-Maria; Mischo, Christoph; Rieß, Werner (2021): Development of Students’ Sustaina-
bility Competencies: Do Teachers Make a Difference? In: Sustainability 13 (22), S. 12594. DOI: 10.3390/su132212594.

 

 

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