Lernen auf 2000 m2

Der Weltacker als Lern- und Fortbildungsort

Von Mona Kraus

Auf der Erde gibt es etwa 1,5 Milliarden Hektar Ackerland. Im globalen Durchschnitt hat bei einer Weltbevölkerung von 8 Milliarden hypothetisch jeder Mensch knapp 2000 Quadratmeter zur Verfügung, um alle Bedürfnisse zu decken – von Lebensmitteln über Tierfutter bis hin zu Rohstoffen für Kleidung und Biokraftstoffe. 

Der Weltacker Freiburg macht diese abstrakte Zahl sichtbar und begreifbar: Auf einer Fläche von genau 2000 Quadratmetern wachsen die Pflanzen, die weltweit die Ackerflächen bestimmen – Weizen, Mais, Reis, Soja, Zuckerrüben, Baumwolle, Raps und viele mehr.  Jede Pflanzen-Kultur steht symbolisch für ihren Anteil an der globalen Fläche. So wird für Besucher*innen unmittelbar begreifbar, wie eng Ernährung, Klima, Boden und globale Gerechtigkeit miteinander verbunden sind. 

Nachhaltigkeit zum Anfassen

Der Weltacker ist mehr als ein Schaugarten: Er ist ein Lern- und Erfahrungsraum, der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) erlebbar macht. Er bietet Wissenvermittliung kombiniert mit sinnlichem Lernen und Erleben: Besucher*innen säen, pflanzen, ernten und begreifen dabei die globalen Zusammenhänge zwischen Boden, Klima und Konsum.

Eine Frage der nachgegangen werden kann, ist zum Beispiel „Wie viel Fläche steckt in meinem Frühstück?“. Auf dem Acker lässt sich nachvollziehen, welche Pflanzen hinter Brot, Butter oder Kakao stecken – und welche Regionen der Welt dafür Anbauflächen bereitstellen. Während der Weizen direkt vor der Haustür wächst, stammen Kaffee, Kakao oder Soja oft aus tropischen Anbaugebieten. So wird sichtbar, welche Transportwege, Wasserverbräuche und CO₂-Emissionen damit verbunden sind.

Auch die Antwort auf die Frage „Teller oder Trog?“ wird auf dem Weltacker veranschaulicht. Etwa die Hälfte der Ackerfläche wird für den Anbau von Tierfutter genutzt. Das bedeutet, dass die Mast von Rindern, Schweinen und Geflügel einen großen Teil der (pflanzlichen) Kalorien verbraucht, bevor sie als Fleisch auf unseren Tellern landen. Auf dem Weltacker wird unmittelbar sichtbar, wie viel Raum allein die Anzucht von Futterpflanzen einnimmt – ein Aha-Erlebnis, das zum Nachdenken über Ernährungsgewohnheiten anregt.

Klimabildung auf dem Acker

Auch Themen der Klimabildung werden auf dem Weltacker greifbar. Der Boden als Kohlenstoffspeicher, die Bedeutung von Fruchtfolgen, die Auswirkungen von Düngung, Bewässerung und Erosion – all das lässt sich an realen Beispielen beobachten. Lehrkräfte und Schüler*innen  erleben, wie Landwirtschaft zum Klimaschutz beitragen kann – etwa durch humusaufbauende Bewirtschaftung oder vielfältige Kulturen.

Besonders anschaulich ist Klimabildung, wenn sie nicht nur über Zahlen und Diagramme funktioniert, sondern über eigene Erfahrung: den Duft von feuchter Erde, das Beobachten von Insekten, den Vergleich zwischen gedüngtem und ungedüngtem Boden. Solche Erfahrungen bleiben haften – und schaffen emotionale Zugänge zu komplexen Themen.

Lernen über den Tellerrand hinaus

Für Lehrkräfte kann der Weltacker Freiburg nicht nur ein Exkursionsziel, sondern auch ein inspirierender Fortbildungsort sein. Im Rahmen von  Ackerführungen können Pädagog*innen selbst in die Rolle der Lernenden schlüpfen und erfahren, wie globale Zusammenhänge im Unterricht handlungsorientiert und fächerübergreifend vermittelt werden können – von Biologie über Geographie bis Ethik und Hauswirtschaft.

Zentral geht es dabei um die Frage, wie lässt sich das Theme Flächengerechtigkeit altersgerecht vermitteln? Der Lernort wird so zum Raum des Austauschs, der kollegialen Inspiration und der eigenen Professionalisierung.

Der Weltacker zeigt, dass nachhaltige Bildung besonder gelingt, wo Menschen selbst aktiv werden dürfen. Gerade weil Themen wie die Klimakrise, Ernährungssicherheit und globale Gerechtigkeit oft weit weg vom eigenen Alltag sind, bietet der Acker die Chance, durch Praxis zu lernen und die eigene Haltung zu diesen Themen zu überdenken.

Frühlingsfest am Weltacker
03. Mai 2026

Weltäcker gibt es übrigens nicht nur in Freiburg sondern an 14 Orten in Deutschland!

https://www.2000m2.eu/de/

mit Philipp Gottwald vom Waldhaus Freiburg

Von Anne Thyssen

Waldhaus Freiburg Seit 2011 betreibt die gemeinnützige Stiftung WaldHaus das Projekt „Schulverwaldung“ im Freiburger Sternwald. Dieses Projekt ist deutschlandweit einzigartig. Schüler*innen der Mittelstufe arbeiten eine Woche im Wald, um ein eigenes Produkt aus Holz selbständig