Die Realität auf deutschen Schulhöfen sieht grau aus – asphaltgrau. Im Rahmen einer Bachelorarbeit an der Pädagogischen Hochschule Freiburg wurde untersucht, inwiefern Schulhöfe mit Asphalt oder Beton versiegelt sind und welche Maßnahmen unternommen werden können, um eine stärkere Begrünung zu erzielen. Tatsächlich ist der Anteil an begrünter Bodenfläche auf Freiburger Schulhöfen gering – weniger als 20 % der Flächen sind bepflanzt.
Dabei wäre eine zunehmende Begrünung und Entsiegelung von Schulhöfen ein wichtiger Schritt hin zu mehr ökologischer Nachhaltigkeit: Versiegelte Flächen verhindern das Versickern von Regenwasser, erhöhen die Verletzungsgefahr und tragen zur Aufheizung der Umgebung bei. Ein entsiegelter Schulhof mit Grünflächen und bepflanzten Arealen verbessert hingegen gerade im städtischen Bereich das Mikroklima, fördert das Ökosystem Boden und bietet Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Zudem bietet die Begrünung Schutz vor Hitze und Luftverschmutzung und reduziert als natürlicher Wasserspeicher das Risiko von Überschwemmungen.
Auch aus pädagogischer Sicht profitieren Schüler*innen von naturnah gestalteten Schulhöfen: Im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) werden ökologische Zusammenhänge direkt erlebt und die Schüler*innen lernen, Verantwortung für ihre Umwelt zu übernehmen, indem sie aktiv an der Umgestaltung und Pflege mitwirken.
Bei der Umsetzung hin zu einem naturnäheren Schulhof stehen die Schulen allerdings vor gewaltigen Herausforderungen: Eine Umgestaltung ist meist mit hohen Kosten verbunden – für die Bauarbeiten selbst, die Entsorgung (mancher Altbelag entpuppt sich unversehens als teuer zu entsorgender Giftmüll), aber auch für Planung und Pflege. Denn entsiegelte Flächen benötigen mehr Zuwendung als Asphalt, was für Hausmeister*innen und Schulpersonal zusätzlichen Aufwand bedeutet. Weiterhin fehlt es häufig an fachlichem Know-how und lang-fristiger finanzieller Unterstützung. Dass ein grüner Schulhof trotzdem keine Utopie bleiben muss, zeigt etwa das Beispiel der Freien Schule Dreisamtal. Rund 80 % des Außengeländes sind unversiegelt, wobei nur wenige Flächen mit besonderer Trittbelastung wie Schaukel und Fußballplatz mit Mulch bedeckt sind, ansonsten aber der Großteil des Schulgeländes mit Vegetation (Gras, Wiese, Schulgarten) bewachsen ist.
Ein solch großzügiges Konzept ist bei begrenztem Platzangebot und hoher Schüler*innenzahl in innenstädtischen Schulen zwar eher nicht realisierbar. Jedoch ermöglichen auch kleinere Projekte wie das Anlegen einer vertikalen Begrünung mit Kletterpflanzen oder die Schaffung von Beet-Inseln, wie es z. B. das Montessori Zentrum Angell Freiburg bei äußerst geringem Platzangebot verwirklicht hat; mehr Grün und damit mehr Lebensqualität auf den Schulhöfen zu schaffen.
Die größte Hürde für eine gelungene Umsetzung von „Mehr Grün“ in die Praxis ist der gigantische Investitionsstau der deutschen Schulinfrastruktur, welcher derzeit 54,8 Milliarden Euro beträgt – damit ist allein der bloße Unterhalt von Schulen durch viele Kommunen kaum noch zu gewährleisten. Oberste Priorität bei Baumaßnahmen hat also nicht die Begrünung von Schulhöfen, sondern die marode Bausubstanz (undichte Dächer, mangelhafte sanitäre Anlagen, veraltete Heizsysteme, fehlende digitale Infrastruktur), bevor an „Extras“ gedacht werden kann. Wie also kann in Anbetracht des Mangels ein grünerer Schulhof gelingen? Die konsequente Einbindung der Kinder in die täglichen Arbeiten ist hierbei nur ein Schritt. Auch finden sich in der vielfältigen Elternschaft fast jeder Schule genügend Expert*innen, welche aus Eigeninteresse bereit und motiviert sind, Zeit und Geld zur Verbesserung der Situation für ihren Nachwuchs zu investieren. Es ist sinnvoll, sich vor einer geplanten Begrünung Gedanken zu machen, wie der Mehraufwand für die Pflege u. a. durch geeignete Projekte und entsprechende Pflanzenauswahl möglichst gering gehalten und mit welchem „Personal“ dieser gestemmt werden kann. Möglicherweise sind kleinere Lösungen zunächst weniger eindrucksvoll, aber in der Umsetzung oft praktikabler und nachhaltiger. Trotz aller Hürden lohnt sich eine schrittweise Entsiegelung von Schulhöfen langfristig – sowohl ökologisch als auch pädagogisch: Ein grüner Schulhof fördert die Bewegung, verbessert die Stimmung der Schüler*innen und wirkt als 3.Pädagoge durch Schaffung eines Lern- und Lebensraumes im Sinne einer zukunftsfähigen Bildung.
Bonjour Begrünung!
Ruderal- / Sukzessionsflächen
Einfach mal wuchern lassen – an welchen Stellen auf dem Schulhof kommt das Grün von alleine und stört dort niemanden? Wildpflanzen wie Brennnessel, Taubnessel und Gräser siedeln sich an, schaffen Biodiversität, bieten Lebensraum für Insekten und Pflanzen und werden bei Aufstellen eines Hinweisschildes nicht als „Schandfleck“ moniert.
Lebensraum für Tiere
Als Unterschlupfmöglichkeiten wie Totholz- oder Reisighaufen, Trockensteinmauern, Lesesteinhaufen, Nistkästen etc. schaffen Rückzugsorte für Tiere wie Insekten, Vögel, Kleinsäuger. Solche Strukturen sind relativ einfach umzusetzen, z. B. mit Holz aus Schnitt-arbeiten.
Hochbeete
Als erhöhte Pflanzflächen, oft auf versiegeltem Untergrund, gedeihen in Hochbeeten Pflanzen, Gemüse oder Kräuter und ermöglichen Begrünung bei leichterer Pflege (weniger Bücken, bessere Kontrolle über Bodenqualität und Bewässerung) auch dort, wo der Raum knapp ist. Vielfältige Anleitungen zum DIY-Bau eines Hochbeetes, z. B. aus Paletten, existieren im Internet, ein Beispiel dazu findet sich bei den Links.
Fassadenbegrünung
Kletterpflanzen begrünen Wände und Fassaden mit wenig Aufwand und geringen Kosten. Sie verbessern das Mikroklima, schützen Mauern vor starker Hitze und Regen, bieten Lebens-raum für Vögel und Insekten und verschönern das Schulgebäude optisch. Bei Fassaden aus Ziegelwerk oder Rauputz kommen Selbstklimmer wie z. B. Efeu oder Wilder Wein zum Einsatz. Ist das Mauerwerk nicht belastbar, machen Rankhilfen das Wachstum von Knöterich, Hopfen, Kletterrosen oder Spalierobst möglich.
Feuchtbiotope
Kleingewässer sind keine Wasserspielanlagen, daher ist eine gewisse räumliche Distanz zwischen Feuchtbiotopen und Spielflächen sinnvoll. Die Wasserflächen müssen so angelegt werden, dass ein Hineinfallen vermieden wird, die max. Wassertiefe sollte 0,4 m betragen. Wenn das Schulgelände auch außerhalb der Schulzeiten zugänglich ist, wird das Feuchtbiotop mit einem Zaun oder Ähnlichem eingefriedet.