Spuren hinterlassen!

Nachhaltigkeit mit Hand und Fuß

Von Mona Kraus

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) soll Lernende befähigen, “informierte Entscheidungen zu treffen und verantwortungsbewusst zum Schutz der Umwelt, für eine funktionier-ende Wirtschaft und eine gerechte Weltgesellschaft für aktuelle und zukünftige Generationen zu handeln“ (MKU, 2016). Um abstrakte Themen wie Klimakrise, Ressourcenknappheit oder planetare Grenzen greifbarer zu machen, haben sich verschiedene Modelle etabliert, wie beispielsweise der ökolo-   gische Fußabdruck, die CO2-Bilanz und der ökolo-gische Rucksack. All diese Modelle wollen verschiedene Aspekte von Nachhaltigkeit veranschaulichen und Bewusstsein für ökologische Auswirkungen unseres (Alltags-)Handelns sichtbar machen. Dieser Beitrag stellt einige dieser Modelle vor, grenzt sie voneinander ab und beleuchtet Stärken, Stolperfallen und praktische Einsatz-möglichkeiten im Unterricht. 

Der ökologische Fußabdruck:
Wie viel Natur braucht der Mensch? 

Der ökologische Fußabdruck ist ein bildhaftes Maß dafür, wie viel globale Hektar Fläche ein Mensch benötigt, um seinen Lebensstil dauerhaft zu ermöglichen. Globaler Hektar meint dabei, die global betrachtete durchschnittliche biologische Produktivität einer Fläche. Ackerland ist zum Beispiel deutlich produktiver als Wüste. Dabei wird gemessen, wie viel Fläche es benötigt, um all die Ressourcen nachwachsen zu lassen, die direkt und indirekt in den Verbrauch einer Person fließen. Im Schnitt hätte jede Person auf der Erde dann 1,8 Hektar zur Verfügung. In Deutschland liegt der tatsächliche ökologische Fußabdruck einer Person jedoch im Schnitt bei 4,9 Hektar (Linder 2020). Der Fußabdruck veranschaulicht eindrucksvoll, dass ein Teil der Menschheit heute weit über seine ökologischen Verhältnisse lebt: Würden alle so leben wie der Durchschnitt der Menschen in Deutschland, bräuchten wir etwa drei Planeten Erde.

Der Fußabdruck eignet sich gut, um Schülerinnen und Schüler zum Nachdenken über ihren eigenen Lebensstil zu bringen. Online-Rechner (z. B. von Brot für die Welt oder dem Umweltbundesamt) helfen, den eigenen Fußabdruck zu analysieren – oft mit überraschenden Ergebnissen.

Stärken des Konzepts:

•Konkrete Visualisierung von Ressourcenverbrauch

•Verbrauch wird in Relation zu planetaren Grenzen gesetzt

•Fördert Diskussion über globale Gerechtigkeit

Die CO₂-Bilanz:

Klimawirkungen sichtbar machen

 

Ein weiteres Modell zur Veranschaulichung ist die CO₂-Bilanz (oft auch CO₂-Fußabdruck oder carbon footprint), die speziell die Menge an Treibhausgasen misst, die durch menschliche Aktivitäten verursacht wird – meist angegeben in Kilogramm oder Tonnen CO₂-Äquivalent pro Jahr. Besonders im Kontext der Klimakrise ist sie ein zentrales Instrument, um individuelle und kollektive Emissionen sichtbar zu machen. Sie umfasst dabei direkte Emissionen (z. B. durch Autofahrten oder Heizen) sowie indirekte Emissionen entlang von Produktionsketten (z. B. durch Konsumgüter oder Lebensmittel).

Auch für die CO₂-Bilanz gibt es interaktive Tools, die im Unterricht eingesetzt werden können – etwa den UBA-Klimarechner oder den CO₂-Rechner des WWF. Im schulischen Kontext eignet sich das Konzept, um die Klimarelevanz von Produkten und Aktivitäten in den Lebensbereichen Ernährung, Mobilität oder Freizeitverhalten zu verdeutlichen und zu vergleichen. 

Stärken des Konzepts:

•Fokussierung auf Emissionen (enger gefasst als ökologischer Fußabdruck)

•Persönlicher Bezug fördert Reflexion

•Anwendung in der Wirtschaft 

Zusammenfassend: Der ökologische Fußabdruck setzt unseren Lebensstil in Relation zur Biokapazität der Erde und macht so anschaulich, wie sehr wir über die planetaren Grenzen hinaus leben und wirtschaften. Die CO₂-Bilanz konzentriert sich spezifisch auf die Klimarelevanz menschlichen Handelns, indem sie den Ausstoß von Treibhausgasen messbar und vergleichbar macht. Der ökologische Rucksack wiederum verdeutlicht die „unsichtbaren“ Ressourcenmengen, die hinter Produkten stecken, und schärft so den Blick für den Ressourcenverbrauch im Alltag.

 

Individualisierung von Verantwortung

So hilfreich die bisher vorgestellten Modelle aus methodisch-didaktischer Sicht sind – sie bergen auch eine pädagogische Herausforderung: Sie rücken das Verhalten des Einzelnen in den Fokus. Die Verantwortung für Umweltprobleme wird dabei zum Teil einseitig auf Einzelpersonen übertragen, während strukturelle Ursachen (z. B. politische Rahmenbedingungen, wirtschaftliche Machtverhältnisse, Produktionssysteme) in den Hintergrund treten. Dies kann bei Lernenden Schuldgefühle, Überforderung oder auch Reaktanz auslösen. (Pihkala, 2022) 

Gerade junge Menschen sind in die aktuelle Klimakrise hineingeboren, ohne selbst an den entscheidenden Weichenstellungen beteiligt gewesen zu sein. Viele der Faktoren, die ihren ökologischen Fußabdruck prägen – etwa beim Wohnen oder der Energieversorgung – entziehen sich ohnehin ihrem direkten Einfluss.

Zudem besteht die Gefahr einer „Moralisierung“ des Konsums: Wer nachhaltig lebt, ist „besser“ und „auf der richtigen Seite“. Diese Logik blendet soziale Unterschiede (z. B. Einkommen, Zugang zu ökologischen Produkten) aus und verhindert solidarisches Lernen. In der BNE ist es deshalb wichtig, Konzepte zu wählen, die sowohl individuelles Handeln als auch kollektive und strukturelle Veränderungspotenziale sichtbar machen. (Kühner & Peter 2025)

 

Der ökologische Handabdruck:

Vom individuellen Konsumieren zum kollektiven Gestalten

Während die bisher vorgestellten Konzepte den Ressourcenverbrauch, die ökologischen Auswir-kungen des individuellen Handelns und Ungerech-tigkeiten adressieren, richtet das Modell des ökologischen Handabdrucks den Blick auf das, was wir positiv beitragen können. Das Konzept wurde ursprünglich vom indischen Center for Environment Education (CEE) entwickelt und später von Organisationen wie Germanwatch in Deutschland aufgegriffen und weiterentwickelt – mit dem Ziel, Bildungsprozesse nicht nur auf Defizite und Verzicht zu reduzieren, sondern auf Wirkung, Gestaltungswillen und gesellschaftliche Veränderung auszurichten (Reif & Heitfeld 2015).

Zentral ist dabei, dass der Handabdruck auf kollektives, politisch wirksames Handeln abzielt – nicht bloß auf individuelles Konsumverhalten. Schülerinnen und Schüler werden so von Konsumierenden zu Gestaltenden gesellschaftlicher Entwicklung. Das stärkt ihre Partizipationskompetenz, Selbstwirksamkeitserwartung und Zukunftszuversicht – zentrale Elemente der Gestaltungskompetenz, wie sie in der BNE verankert sind (De Haan 2008).

In der didaktischen Umsetzung ermöglicht der Handabdruck das Fördern positiver Narrative und das Sichtbarmachen von Handlungsspielräumen. Das Konzept ermutigt Schüler*innen sich einzubringen und mitzubestimmen – lokal wie global.

 

Stärken des Handabdrucks:

•Fokus auf kollektives, transformatorisches Handeln

•Fördert demokratische Teilhabe und Zukunftsoptimismus

•Verbindet persönliche Werte mit politischer Wirksamkeit

Beispiele für Handabdruck-Handeln in der Schule:

•Die Schülervertretung setzt sich für Mehrwegflaschen in der Mensa ein

•Eine Klasse startet ein Repair-Café für die Nachbarschaft

•Lernende organisieren eine Infoveranstaltung zu Klimagerechtigkeit

•Vernetzung mit lokalen Initiativen und zivilgesellschaftlichen Akteuren

Einbettung in die BNE an Schulen

Die anfangs vorgestellten Modelle – ökologischer Fußabdruck, CO₂-Bilanz und ökologischer Rucksack – eignen sich, um im Unterricht verschiedene Facetten von Nachhaltigkeit anschaulich zu machen. Sie bieten die Möglichkeit, abstrakte Themen herunterzubrechen und mit der Lebenswelt der Schüler*innen zu verknüpfen: Wie schwer ist mein Handy wirklich, wenn man die versteckten Rohstoffe mitrechnet? Wie viel CO₂ verursacht ein Burger oder eine Flugreise? Und wie stark beansprucht mein Alltag die endlichen Ressourcen unseres Planeten? Solche Fragen machen ökologische Zusammenhänge greifbar und regen dazu an, das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen.

Allerdings zeigt die Forschung zur BNE immer wieder, dass Wissen und Einstellungen allein nicht automatisch zu verändertem Handeln führen (Aeschbach et. al., 2025).

Zwischen Wissen und Verhalten klafft eine Lücke: Lernende fühlen sich mitunter überfordert, reagieren mit Abwehr oder erleben Ohnmacht angesichts der Dimension globaler Krisen. Der ausschließliche Fokus auf Defizite und individuelle Verantwortung kann so unbeabsichtigt Widerstände hervorrufen. (Pihkala, 2022)

Deshalb sind diese Ansätze aber nicht weniger wichtig. Sie legen die Grundlage für ein fundiertes Verständnis ökologischer Zusammenhänge und schaffen ein Bewusstsein für die Dringlichkeit von Veränderungen. Empfehlenswert ist jedoch, sie im Unterricht mit positiven und lösungsorientierten Perspektiven zu ergänzen. Hier setzt das Konzept des ökologischen Handabdrucks an: Es betont, was wir gemeinsam gestalten können – sei es durch schulische Projekte, zivilgesellschaftliches Engagement oder politische Mitgestaltung.

So entsteht ein Lernsetting, das einerseits die kritische Reflexion von Ressourcenverbrauch und individuellen Entscheidungen fördert und andererseits die Erfahrung von Selbstwirksamkeit und kollektiven Handlungsmöglichkeiten in den Blick nimmt. Ein solches Vorgehen hat Potential, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung nicht bei der Diagnose stehenbleibt, sondern den Weg zu einer aktiven und hoffnungsvollen Gestaltung der Zukunft eröffnet.

 

Literatur

 

Aeschbach VM-J., Schwichow M., Rieß W. (2025) Effectiveness of climate change education—a meta-analysis. Front. Educ. 10:1563816. doi: 10.3389/feduc.2025.1563816

De Haan, G. (2008). Gestaltungskompetenz als Kompetenzkonzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung. In Kompetenzen der Bildung für nachhaltige Entwicklung: Operationalisierung, Messung, Rahmenbedingungen, Befunde (S. 23-43). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Graf, E. (2022). Der ökologische Rucksack: Das eigene Verhalten beurteilen und ändern. Schulmagazin 5-10, 2022(11+ 12), (S. 63-73).

Linder, W. (2020). Maßzahlen fürs Maß halten – Der Ökologische Fußabdruck im Unterricht. Haushalt in Bildung & Forschung. 9 (S.19-27).

Reif, A., & Heitfeld, M. (2015). Wandel mit Hand und Fuß. Mit dem Germanwatch Hand Print den Wandel politisch wirksam gestalten. https://www.germanwatch.org/sites/default/files/publication/15335.pdf.

Szaguhn, M. (2025). Fußabdruck und Handabdruck: Soziale Praktiken für individuellen und kollektiven Klimaschutz als Beitrag zum SGD13. In: Filho, W.L., Scherenberg, V. (eds) SDG 13: Maßnahmen zum Klimaschutz. Globale Ziele für nachhaltige Entwicklung. Springer Spektrum, Berlin, Heidelberg. 

 

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